Mein Lockdown-Tag in Piktogrammen: Und täglich grüßt der Bildschirm

Aktualisiert: Apr 5


Was machen Schüler im Lockdown? Von morgens bis abends nur Zocken und Fernsehen? Denkst du! Wie ähnlich ihre Routinen sind und wie unterschiedlich ihre Tagesabläufe trotzdem ausfallen, zeigen die gerade entstandenen Bilder meiner 8., 9. und 10. Klassen.

Das Thema lautete "Mein Lockdown-Tag in Piktogrammen". Die Schüler sollten ihre einzelnen Tages-Stationen in mindestens 8 Piktogrammen darstellen

und sich dabei in Reduktion üben, denn:


Ein Piktogramm (von lateinisch pictum ‚gemalt‘, ‚Bild‘ und griechisch γράφειν gráphein ‚schreiben‘) ist ein einzelnes Symbol bzw. Icon, das eine Information durch vereinfachte grafische Darstellung  vermittelt. Ein Piktogramm kann aus einer ikonischen Darstellung von  Objekten, Szenen, abstrakten Symbolen, Zahlen oder Textelementen  bestehen,

weiß Wikipedia zu berichten. Zusätzlich sollten Schüler ihre Piktogramme individualisieren und sich Gedanken darüber machen, welche äußeren Merkmale sie wiedererkennbar machen. Sind es ihre grünen Schuhe? Ihre wilde Frisur? Ihre Lieblingsjeans? Und natürlich sollten Humor und Selbstironie nicht fehlen, also putzten sich die schlichten Piktogramme mit Zöpfen, Brillen, bunten Socken und roten Jacken heraus, welche selbst beim Baden im Sichtfeld blieben.


Die Art der Umsetzung wurde dabei frei gestellt: Ob analog oder digital, ob schwarz-weiß oder farbig, alles war möglich, Hauptsache, die Bilder waren kontrastreich und hatten eine sarke Fernwirkung. Das komplette Projekt war auf zwei Wochen, also auf zwei Doppelstunden Kunst ausgelegt. Allerdings hatten sicher einige der aufwendigen Bilder mehr Zeit als vier Stunden in Anspruch genommen. Die freie Zeiteinteilung im Homeschooling kam hier dem krativen Prozess mal wieder zugute. So konnte jeder in seinem Tempo arbeiten, um seinem individuellen Anspruch an sich selbst zu genügen.


Wer sich an dieser Aufgabe selbst versuchen oder sie an seinen Kindern bzw. Schülern testen möchte, kann den Arbeitsauftrag als PDF herunterladen:


Arbeitsauftrag_Piktogramme_Tangian
.pdf
Download PDF • 66KB

Piktogramm-Bilder im Hochformat; zum Vergrößern anklicken.

Bilder im Hochformat sowie Namen der beteiligten Schüler finden sich am Ende dieses Beitrages.


Details ganz groß:

1. Duschen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen


Routinen strukturieren den Alltag. Das Duschen am Morgen, das Baden am Abend (manchmal auch andersherum), das Mittagessen, der Spaziergang mit und ohne Hund - viele dieser Momente wiederholen sich von Bild zu Bild, jedoch immer etwas anders in Szene gesetzt und mal mehr, mal weniger abstrahiert.



Und auch andere private Momente finden sich hier und da wieder. Bislang wurden sie von großen Malern der Kunstgeschichte als nicht darstellungswürdig erachtet (obwohl das sitzende Klo-Bildchen durchaus eine Ähnlichkeit mit dem "Denker" von Rodin aufweist, s. unten). Doch nun ist die klassische Genre-Malerei endlich um ein paar Motive reicher: Unter der Dusche Singen, Hose Anziehen, Zähne Putzen...

2. Schlafen: wird überbewertet


Der Tag beginnt und endet im Bett, das ist bei allen Tagesabläufen eine Konstante. Doch wo, wie und wann genau man schläft, fällt offenbar sehr unterschiedlich aus. Einige schlafen - gelegentlich - in ihrer Hängematte, andere - versehentlich - auf dem Boden. Die hartnäckigsten Wecker werden am konsequentesten ignoriert. Und bei dem einen oder anderen Jugendlichen verschiebt sich der Tag auf später und später, bis dass der Fernseher nur noch das Testbild sendet...



3. Man tut, was man kann: Tagesroutinen


Das bisschen Haushalt...


Sport


Musik


Haustiere



Mahlzeiten


Freunde und Familie



Entspannen, Chillen, Meditieren



Dies und das



Manche Jugendliche machen bereits ihren Fhürerschein

4. Und täglich grüßt der Bildschirm: Homeschooling


Einen großen Teil des Tages nimmt bei allen Schülern das Homeschooling ein. Also häufen sich auf ihren Bildern Bürostühle, Schreibtische, Bücher und Endgeräte. Da wird in ein Headset gesprochen, in Büchern geblättert, in Heften geschrieben und am Kopf gekratzt. Nicht wenige Schüler haben große Fragezeichen um ihren Kopf schwirren, und der eine oder andere bricht theatralisch über seinen Aufgaben zusammen: Akku leer, Apple tot.






5. Und sie tun es doch: Zocken und Fernsehen


Und natürlich nutzen Schüler ihre Freizeit auch fürs Zocken und Fernsehen. Aber wer will es ihnen verübeln? Für viele ist es die einzige Möglichkeit, sich die lange, sehr lange Lockdown-Zeit zu vertreiben und dabei mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Also schaut man sich lustige Videos auf TikTok an, spielt zusammen Videospiele, schreibt in seinen WhatsApp-Gruppen, chattet, telefoniert, probiert neue Apps aus, schickt seine Fotos an Freunde oder postet sie auf Instagram... Wie wohl der Lockdown vor zwanzig Jahren verlaufen wäre, so ganz ohne Internet, Computer, Handy, Videokonferenzen und natürlich Homeschooling, sweet Homeschooling? Kaum vorstellbar...


6. Zugabe


Und weil es so schön ist, wird hier eine kleine Zugabe an Bildern nachgereicht, die zwar individuell und witzig, aber streng genommen keine Piktogramme sind und somit nicht dem Arbeitsauftrag entsprechen. Trotzdem gehört auch diese kretaive Leistung honoriert, denn die Bildideen als solche sind dadurch nicht weniger sehenswert.





7. Fazit


Mit dieser Piktogramm-Reihe ist ein Zeitdokument im Lockdown über den Lockdown entstanden, das sehr persönliche Einblicke in das Leben der Jugendlichen gewährt. Es spiegelt ihren Alltag wider, vor allem aber, wie sie ihn selbst wahrnehmen. Die Sehnsucht nach den Freunden und der Frust über das eintönige Homeschooling findet sich in fast allen Bildern wieder. Aber man erkennt darauf auch, dass die Familien näher zusammenrücken und dass man mehr Zeit für seine Hobbys, Haustiere, Natur und Bücher findet. Es bleibt zu hoffen, dass die Zeit der Isolation bald wieder vorbei ist und dass wir uns auf der selben Seite des Bildschirms, von Angesicht zu Angesicht in der Schule begegnen. Bis dahin hilft nur eins: Hände waschen und vernetzt bleiben, wie das Bild oben links anschaulich zeigt. Wir sehen uns auf der anderen Seite!



Hier noch eine kleine Auswahl von Querformaten; zum Vergößern anklicken


Ein ganz großer Dank gilt allen Schülern, deren Bilder ich hier veröffentlichen durfte:


8c

Angelina B., Andreas K., Emil S., Anika S., Collin S., Finn V., Zoe W.


8d

Lynn B., Elisa B., Alexia D., Emma F., Maja G., Max H, Bastian K., Lale S., Sophi W.


9c

Zahide A., Enie Joy B., Sally B., Lara-Mariella H., Lars K., Emily M.


10c

Nele B., Yannick B., Ricarda B., Lucy B., Alina H., Frederike H., Kenan K., Rebin M., Nina N., Emma N., Leni T.


10d

Rüya C., Ahin H., Tara J., Lena K., Joleen K., Jule-Sophie M., Yara N., Alexandra S., Hannes W.


...und außerdem als Special Gast: Sophia Tangian, 5. Klasse, meine Tochter :-)




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