top of page

Gouache-Illustrationen: Ach, hätt' ich doch ...

Aktualisiert: 26. Juni



Vor einiger Zeit fiel mir ein prachtvoll illustriertes Kinderbuch in die Hände: "Ach, hätt' ich doch ..." von Giovanna Zoboli und Simona Mulazzani. Seine atmosphärischen Bilder preisen die einzigartigen Fähigkeiten verschiedener Tierspezies: "Ach, hätte ich doch ... den Schleckerhunger des Bären im duftenden Obstgarten", "... den federnden Schritt des Tigers im dichten Urwald" oder "... die Wehmut des Hundes, wenn es draußen schneit."

Als ich das Buch meinem Kunst-WPK (Wahlpflichtkurs) des 10. Jahrgangs zeigte, war er von diesem schlichten, aber eindrucksvollen Buchkonzept genauso angetan wie ich. Also versuchten wir uns im Frühjahr 2024 an eigenen Tier-Illustrationen.


Oben: Papagei von Mara M.; unten: unsere Inspiration, das Kinderbuch "Ach, hätt' ich doch ..." von Giovanna Zoboli und Simona Mulazzani, Peter Hammer Verlag. Zum Blättern bitte scrollen, zum Vergrößern anklicken


Jeder wählte sein eigenes Spirit Animal aus: ein Tier, dem man sich besonders verbunden fühlte. Danach wurden erste Ideen entwickelt, Skizzen angefertigt, Farbkonzepte erstellt und schließlich seeehr lange daran gemalt. Fast ein halbes Jahr hat das Projekt gedauert, das ich im Folgenden vorstellen möchte - als Dokumentation unserer einzelnen Arbeitsschritte, vor allem aber als Inspiration für eigene "Ach, hätt' ich doch"-Projekte. Ach, wär' das schön!


Wenn ihr möchtet, dass ich eure "Ach, hätt' ichauch"-Bilder hier auch zeige, schickt sie gern an mich: katia.tangian@gmx.net, ich freue mich über einen kreativen Austausch!


Spoiler-Alarm! So sehen die fertigen Bilder aus ...


... nachdem die Jugendlichen wochenlang daran getüftelt haben. Um zu veranschaulichen, wie diese Bilder als gedrucktes Buch aussehen würden, habe ich sie mit Hilfe der CEWE-Layoutsoftware (vgl. Kapitel 6) in Buchform gebracht und die Doppelseiten gescreenshotet.


Adler von Elisabeth T., Leopard von Razan T. H. und Papagei von Mara M.


Doch zuvor waren viele kleine Arbeitsschritte nötig. Hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:


1. Die Vorarbeit: Bildkomposition und Farbkonzept


Zuallererst wurden im Plenum einheitliche Kompositionsparameter festgelegt. In Anlehnung an das "Ach, hätt' ich doch"-Original sollten unsere querformatigen Illustrationen ebenfalls je eine Doppelseite füllen und neben eines Tiermotivs einen kurzen Text enthalten. Diese zwei Vorgaben bedeuteten für die Bildkomposition zum einen, dass in ihrer Mitte kein wichtiges Motiv zu platzieren war, weil dort später der Buchfalz verlief. Zum anderen musste für den Text ein möglichst homogenes Farbfeld freigehalten werden, damit die Schrift darauf gut lesbar war. Des Weiteren sollte das Tiermotiv groß und gut erkennbar sein. Dafür empfahl sich ein starker Hell-Dunkel-Kontrast zwischen dem Tier und seinem Umfeld, um die Fernwirkung des Bildes zu steigern.



Ihre ersten Bildideen hielten die Jugendlichen in kleinformatigen Bleistiftskizzen fest. Danach prausten sie ihre Skizze mehrfach auf ein größeres Blatt Papier durch und kolorierten sie mal in kalten, mal in warmen Tönen, mal mit reinen, mal mit getrübten Farben. Auf diese Weise konnten sie die Wirkung verschiedener Farbpaletten erproben und die besonders atmosphärische herausgefunden werden. Einige Schüler nutzten zu Kolorieren gleich unser finales Malmedium Gouache (vgl. unten "Warum Gouache?"). Andere fotografierten ihre Skizzen mit dem iPad ab und kolorierten sie anschließend digital. Das ging schneller und erfüllte ebenfalls seinen Zweck.


Farbstudien und Mischexperimente mit Gouache; zum Vergrößern bitte anklicken



Weil viele Schüler noch nie mit Gouache gearbeitet hatten, ließ ich sie eine Doppelstunde lang damit experimentieren. Dabei sollten sie verschiedene Farbe mischen, Verläufe üben und schließlich eine Kugel plastisch gestalten, mit einer hellen und einer dunklen Seite. Im Übrigen ist diese kleine Übung bei allen neuen Zeichen- und Malmaterialien ganz nützlich, denn so lassen sich erste Erfahrungen mit Lichtführung (Farbverläufe) und Plastizität (Kontraste, Pinselduktus ...) sammeln, ohne sich gleich zu viele Gedanken um den Bildinhalt zu machen.


Im Rahmen dieser experimentellen Malstunde stellte sich unter anderem heraus, dass unsere schuleigene Gouache mal besser, mal schlechter deckte. Dies lag zum Teil an deren Intensität: So deckte das Blau, eine recht kräftige und dunkle Farbe, besser als beispielsweise Gelb. Zum Teil variierte aber auch von Flasche zu Flasche die Gouache-Konsistenz. Tipp: Wenn Farben zu dünnflüssig sind, kann man sie nicht wie üblich in eine Mischpaletten, sondern auf ein Küchentuch oder ein Stück Zeitung geben. Das Papier saugt so den überschüssigen Binder auf, und die Farbe bekommt eine festere Konsistenz.


Malexperimente von Joelle S.



Bei Farben, die nicht bloß zu flüssig sind, sondern deren Pigmente nicht zureichend decken (etwa bei Gelb), kann man die Deckkraft erhöhen, indem man ihnen eine zweite Farbe beimischt, etwa Weiß. Allerdings veränderte sich dadurch nicht nur die Deckkraft, sondern auch der Farbton, der dann pastelliger wird, was nicht zu jedem Motiv passt.

Darüber hinaus sind Farben, die ungemischt, also direkt aus der Flasche vermalt werden, oft unnatürlich grell. Man kann sie mit einer neutraleren Farbe abtrüben, etwa mit Braun, Schwarz, Beige bzw. Ocker. Andererseits ist bei manchen Bildern gerade das Grelle gewollt. Daher lautete die Devise: Mischen und am konkreten Motiv ausprobieren! Denn ein Patentrezept gibt es trotz allen komplizierten Farblehren nicht. "Grün und Blau ziert die Sau", heißt es etwa im Volksmund - und doch harmonieren diese zwei Farben beim Pfau (s. unten) zum Beispiel wunderbar.



Der Pfau von Somaya S.: mit Gouache gemalt, mit Buntstiften verfeinert: Mixed Media von ihrer schönsten Seite!

Warum Gouache? 
Illustration und Gouache, das passt gut zusammen: Die Farbe ist deckend, leuchtend und bleibt auch nach dem Trocknen wasserlöslich. Somit lässt sie sich - anders als Acryl - aus der Kleidung herauswaschen. Allein deswegen ist sie für den Einsatz in der Mittelstufe prädestiniert! Nach ihren ersten Mal-Erfahrungen mit Wasserfarbe im Kindergarten oder in der Grundschule, die oft eher frustrierend verlaufen (s. meinen Beitrag zu Aquarell), kann Gouache für viele Farb-Phobiker zu einem echten Gamechanger werden. Hier verläuft nichts! Hier bleibt alles an Ort und Stelle! Und wenn etwas nicht so aussieht, wie geplant, lässt sich die Partie ganz einfach übermalen - noch mehr Argumente, die für Gouache sprechen.

Dazu haben Gouache-Bilder eine angenehm matte Oberfläche, welche nicht nur schön aussieht, sondern sich gut zu Mixed Media eignet, also zum Überarbeiten mit verschiedenen Mal- und Zeichenmaterialien, zum Übercollagieren, Schablonieren u. v. m.. Und weil Gouache im Gegensatz zu Wasserfarbe flüssig aus der Tube kommt und nicht erst mühsam angelöst werden muss, lassen sich damit ganz unkompliziert große Flächen ausfüllen und fließende Übergänge gestalten. 

Diese flüssige Form hat allerdings nicht nur Vorteile: Bei undichten Verschlüssen oder starker Hitze kann die Farbe in der Flasche bzw. Tube vertrocknen. Zwar verbleibt sie auch im trockenen Zustand wasserlöslich, aber dann muss man sie genauso umständlich anrühren wie die Farbe aus dem Schul-Malkasten auch. 

Einen weiteren Schwachpunkt stellt die schwankende Konsistenz und Deckkraft der Farben dar (s. oben) - was wiederum eine Frage der Qualität und somit indirekt ein Kostenfaktor ist. Im Schulkontext müssen Low-Budget-Produkte reichen - etwa die Eigenmarken von Boesner oder Gerstaecker. Schlecht sind sie nicht, aber es geht definitiv besser! Für den Privatgebrauch kann ich z. B. die sehr pastose, gut deckende und dank ihrer dünnen Flaschenhälse gut dosierbare Gouache von Lascaux empfehlen. Vermutlich sind die kostspielige Ei-Tempera von Sennelier oder die hoch pigmentierte Gouache von Winsor & Newton oder gar die Fetisch-Produktreihe "Horadam" aus dem Hause Schminke (in kleinen Tuben! In einer dekorativen Metalldose! Aus feinsten Pigmenten angerührt!) noch hochwertiger. Doch mir persönlich hat bisher die Lascaux-Farbe voll und ganz gereicht. 

Das Spektrum: von der literweise angebotenen Schultempera über flaschenweise erhältlichen Lascaux-Gouache bis hin zu handverlesenen Tuben von Schmincke & Co: besser (und vor allem teurer) geht immer.




2. Das finale Bild


Sobald die Jugendlichen ihre Bleistift- und Farbskizzen fertig hatten, übertrugen sie ihre Kompositionen auf das finale DinA3-Format (30 x 42 cm). Dabei habe ich bewusst etwas größere Bögen ausgeteilt (35 x 50 cm), damit die Bilder einen umlaufenden weißen Rand bekommen. Dieser Rand stabilisiert das Papier, sodass es sich im nassen Zustand weniger verwellt. Auch braucht man dank Rand nicht aufzupassen, dass man nicht über das Blatt und auf den Tisch malt. Außerdem man kann auf dem Rand (den man später mit einem Passepartout überdecken oder ganz abchneiden kann) die gemischte Farbe testen.


Tipp Malmterial: Ich hatte im Vorfeld einen Klassensatz Aquarellpapier bestellt (240g/qm), und auch schlichte Borstenpinsel und die Gerstaecker-Tempera wurden von der Schule gestellt. So hatten alle dieselben Ausgangsbedingungen. Einige Jugendliche haben trotzdem eigene Gouache und hochwertigere Pinseln nachgekauft. Doch die meisten haben mit unserem Schulmaterial gearbeitet. Für den Feinschliff gab es in den letzten paar Doppelstunden dünne, rundgebundene Kunstfaser-Pinsel, die wir sonst nur für die Oberstufenkurse bereithalten. Die oben verlinkten da-Vinci-Fabrikate in Gr. 2 und 6 (oder auch als Set) haben sich bei Gouache im Allgemeinen und für den Feinschliff im Besonderen gut bewährt.

Das Erdmännchen von Kira-Marie Z. als Bild und als fertig gestaltete Doppelseite




Tipp Pinsel: Echthaarpinsel, wie man sie zum Aquarellieren verwendet, sind für schwere Malmittel wie Acryl oder Gouache ungeeignet, da sie verkleben und kaum Farbe abgeben. Kunsthaar ist hier die bessere Wahl, gern kurz und flach gebunden. Damit kann man die Farbe wie mit einer kleinen Spachtel auftragen. Im Übrigen können Malspachteln ebenfalls eine gute Wahl sein, vor allem den großen bzw. gröberen Bildpartien. Elisabeth T. zum Beispiel  hat ihren Adler überwiegend mit einem Malspachtel gestaltet.

3. Ein bisschen Maltheorie


Dass Farbe beim Malen im Zentrum steht, ist den Jugendlichen theoretisch klar. Und doch machen sie sich erfahrungsgemäß viel mehr Gedanken über die Bildmotive als über das Malen selbst. Daher sah ich es als meine Hauptaufgabe, den Fokus immer wieder zurück aufs Malen zu lenken. Zum Beispiel auf den Farbklang: Ein und dasselbe Motiv wirkt auf einem blauen Hintergrund vollkommen anders als auf einem roten. Um die atmosphärische Wirkung verschiedener Farbpaletten zu erproben, sollten Jugendliche kleine Bleisiftskizzen anfertigen, sie vervielfältigen (durchs analoge Durchprauschen oder digital am iPad) und mehrere Farbvarianten erstellen, bevor es dann mit dem eigenlichen Bild weiterging.


Farbstudien von Mara M.


Darüber hinaus sollten sie auf eine einheitliche Lichtführung achten, also helle Partien auf der einen, Schatten auf der anderen Seite des Motivs platzieren, bewusst mit Farbverläufen arbeiten und sich in Farbmodulation üben, d. h. ein und dieselbe Farbe in verschiedenen Nuancen auftragen. Keine Partie des Bildes durfte unbemalt bleiben: Die raue, etwas gelbliche Papieroberfläche hätte sonst das homogene Farbbild gestört.


Der Adler von Elisabeth T. im Entstehen (Detail)


Genauso abwechslungsreich sollte auch der Pinselduktus ausfallen. Dabei sollte die Strichrichtung und -länge der Form und der Oberflächenbeschaffenheit der Motive entsprechen: Bei glatten Oberflächen sollte sie etwas zurückhaltender und fließender, bei stark strukturierten Oberflächen markanter, expressiver sein. Da für die meisten Jugendlichen Themen wie Farbmodulation und Lichtführung vollkommen neu waren, sollten sie diese zuerst auf Extrablättern ausprobieren, um etwas Malerfahrung zu sammeln, bevor sie ihre finale Illustration in Angriff nahmen.


Abschließend sei angemerkt, dass alle diese Vorgaben bloß Richtlinien sind. Sie sind nicht in Stein gemeißelt und können bei späteren Malrpojekten erweitert, abgewandelt oder auch ganz verworfen werden. Doch für den Einstig in das höchst komplexe Thema Malerei empfehlen sich meiner Erfahrung nach klare Vorgaben, weil sie Halt geben, Sicherheit vermitteln und nebenbei transparente Beurteilungskriterien darstellen, die im Schulkontext nie ganz außer Acht gelassen werden dürfen.


Kleine Farbskizze von Andreas K.: das Stachelschwein (ca. 8 x 10 cm)


Farbstudien von Selin-D. C.


Farbstudien von Sofiia K.



4. Sonderfall bildinterne Lichtquelle


Es ist schon schwierig genug, beim Malen eine bildexterne Lichtquelle mitzudenken (s. 3, einheitliche Lichtführung). Noch komplizierter wird es aber, wenn man die Lichtquelle ins Bild integriert: Nicht nur weil ein Leuchtkörper - ob Sonne, Lampe oder Feuer - in seiner Helligkeit schwer darzustellen ist; auch verstreut er sein Licht auratisch, also kreisförmig, und die Dunkelheit im Bild nimmt sukzessive zu, je weiter man sich von der Lichtquelle entfernt.


Wie man diese Challenge dennoch erfolgreich meistert, möchte ich an einem konkreten Beispiel demonstrieren: einem feuerspeienden Drachen von Sarah H.. Von Anfang an wollte Sarah kein gewöhnliches Tier abbilden, sondern ein Phantasietier, am liebsten einen Drachen. Eigentlich passte diese Idee nicht so recht zu unserem ursprünglichen Buchimpuls. Doch weil Sarah sehr gute Argumente hatte (Drachen speien Feuer! Drachen sind cool! Sie sind viel komplizierter zu malen als real existierende Tiere!), ließ ich sie machen.


Von einer grafischen Idee zu ihrer malerischen Umsetzung: die Drachen-Vorskizze von Sarah H.


Da Sarah zwar großartig zeichnen kann, mit Farbe aber wenig Erfahrung hat, stellte sich gleich die Frage, wie sie das Feuer als bildinterne Quelle am besten abbilden könnte. Also recherchierte sie nach Drachenabbildungen im Internet, doch diese waren nur unzureichend detailliert und schienen sie nicht zu begeistern.


Daher empfahl ich ihr, das Werk des französischen Malers Georges de la Tour anzuschauen. Wie Sarah hat de la Tour ein Faible für mystische Szenerien und bildinterne Lichtquellen. Mit Hilfe dieser und weiterer Bildvorlagen machte sich Sarah ans Werk. Und ihre minuziöse Vorarbeit hat sich am Ende ausgezahlt: Ihr Drachenbild sieht wirklich beeindruckend aus. Hier eine kleine Drachen-Entstehungsgeschichte in Bildern.


1. Inspirationsquelle: Georges de la Tour (1593-1652): Maria Magdalena, 1640-1645; 2: Sarahs Vorskizze; 3: erste Malschicht; 4: Drache aus der Fantasy-Serie "Game of Thrones"; 5-6: auf dem Weg zum finalen Bild


Sarahs finales Bild, noch ohne Schrift


5. Schrift


Sommerferien kommen immer etwas plötzlich, aber dieses Mal kamen sie noch plötzlicher als sonst. Bereits Anfang Juni war bei uns an der Schule Notenstopp, und so blieb uns nach dem wochenlangen Malen nur noch eine Doppelstunde Zeit, um uns mit dem Thema Schrift zu beschäftigen. Zum Glück hatte ich es mit einigen meiner WPK-Schüler im letzten Schuljahr schon sehr ausführlich behandelt (s. unser ABC-Projekt). Diese Schüler waren daher im Vorteil. Für andere dagegen war das Thema Schrift noch Neuland. Dazu hingen einige mit ihren Bildern sowieso schon zeitlich hinterher, sodass sie ihre Texte nicht mehr anbringen konnte. Dies habe ich dann - nach individueller Absprache - nachträglich am Computer getan. So konnte das Buchkonzept trotz Zeitmangel letztendlich doch noch eingehalten werden.


Schriftzüge von Liv U., Maira S. und Kira-Mari Z.


Eine ganz besondere Schriftidee hatte dabei Liv U.: Ihr Satz sollte in das leere Feld hineinpassen, das der Hals ihrer Giraffe bildete - und nein, es ist keine Querverweis auf "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky! Bei einem anspruchsvollen Schriftzug wie diesem hilft Trick 17: Erst wird die Schrift auf einem Schmierblatt vorgezeichnet; dann wird dessen Rückseite geschwärzt, sodass ein selbstgemachtes Kohlepapier entsteht. Anschließend wird die Schrift in einzelne Worte zerschnitten (s. Bild oben) und mit Kreppklebeband in gewünschte Position gebracht. Danach werden die Buchstaben mit Kulli o. ä. kräftig nachgezeichnet; die geschwärzte Rückseite überträgt sie dann auf das gemalte Bild. Schließlich wird der Text mit einem Pinsel oder einem schwarzen Buntstift nachgezogen - dafür eignet sich die matte Gouache-Oberfläche, wie oben schon erwähnt, hervorragend.


Die Giraffe von Liv U. als fertig gestaltete Doppelseite (CEWE-Programm)


Tipp Schrift: Wo findet man eine passende Schrift? Schon bei anderen Schulprojekten habe ich öfters mit der Schriftensammlung auf www.fontmeme.com gearbeitet und kann sie uneingeschränkt empfehlen. Ihre unzähligen kostenfreien Schriften lassen sich in ihrer Größe, Farbe, Ausrichtung u. a. verändern und dann als JPG - mit einem durchsichtigen Hintergrund! - herunterladen, sodass man seinen fertig getippten Satz in der gewünschten Schrift und Farbe nur noch über sein Bild zu legen braucht. Mehr dazu unter 7.6.

6. "Ach, hätt' ich doch ...": das fertige Buchprojekt


Nach mehreren Monaten harter Arbeit (aber auch Herumphantasieren, Experimentieren, genussvollem Malen und einfach nur Herumflachsen) ist es endlich fertig, unser Buchprojekt! Für alle, die es als Ganzes sehen möchten, habe ich es zu einem Buch gelayoutet, und zwar mit Hilfe des CEWE-Programms, das eigentlich für Fotobücher konzipiert wurde und das ich gern privat für meine Fotobücher benutze. Aber auch für ein Illustrationsprojekt ist das Programm zu empfehlen: Nicht nur, weil man seine Doppelseiten screenshoten kann, wie ich es in der Bildergalerie unten gemacht habe. Zusätzlich kann man das fertig designte Buchprojekt auch ganz analog und in bester Fotoqualität drucken lassen oder auch per Link mit Schülern teilen, sodass sie bei Interesse ebenfalls das Buch drucken können - für Freunde, Verwandte oder einfach nur für sich selbst. Kostenfaktor bei diesem Projekt, je nach Buchgröße und -bindung: ab 15 €.


Tipp Buchdruck: Wie man die fertigen Illustrationen in Buchform bringen kann? Einfach als Fotobuch layouten und ausdrucken (z. B. mit der Foto-Software von CEWE)! Oder, wenn es etwas einfacher und günstiger gehen soll, DinA4-große Farbausdrucke anfertigen und sie zu einem Leporello zusammenkleben lassen (Anleitung dazu unter 7.7.).

Titelseite mit dem Erdmännchen von Kira-Marie Z. (im Buch S. 4)


Fronspitz (=2. Seite) mit Andreas' Stachelschwein (Vorskizze) und der handschriftlichen Überschrift von Johanna S.; Inhaltsverzeichnis; 20 Doppelseiten mit Bildern und Texten des Kunst-WPKs. Zum Vergrößern bitte anklicken und dann scrollen.


 

7. Nützliche Links und Buchempfehlungen


7.1. "Ach, hätt' ich doch .." von Giovanna Zoboli und Simona Mulazzoni


Das 2010 erschienene Bilderbuch "Ach, hätt' ich doch ..." ist in Deutschland leider vergriffen. Mit etwas Recherche lässt es sich jedoch über das moderne Antiquariat beziehen.

Hier ist der Klappentext, den man zu diesem zauberhaften Buch im Netz findet: "Dieses großformatige, poetische Bilderbuch der Italienerinnen Giovanna Zoboli und Simona Mulazzani ist Ausdruck kindlichen Staunens. Wie schnell so ein Hase rennen, wie weit die Wildgans fliegen, wie viel ein Bär verschlingen kann! Hätt' ich doch solche Sprinterbeine, solche Flatterflügel, solchen Schleckerhunger! Jeder Quadratzentimeter der fantastischen farbigen Tableaus wird genutzt, um die kleinen und die riesigen Tiere in ihrem Element zu zeigen. Die Maus, die mit pumperndem Herzchen der Katze entkommt, ist gerade so bewundernswert wie der singende Wal in der endlosen Weite des Ozeans. "Ach, hätt' ich doch ..." fühlt sich mit großer Ehrfurcht und ein bisschen Neid in die faszinierenden Möglichkeiten anderer Kreaturen und damit in ihre je eigene Schönheit ein. Das Bilderbuch (Originalausgabe bei Topipittori) erscheint gleichzeitig in Italien, Frankreich, Spanien, Korea und Mexiko." (Quelle: Amazon). Weitere Infos dazu unter diesem Link.


7.2. "I Wish I Had ...": Bilderbuchkino auf Englisch


Da das Buch auf Deutsch vergriffen ist, kann dieses englischsprachige Video Abhilfe schaffen (danke @ Verena Madelaine für diesen Link):



7.3. Buchtipp: "Multitalent Gouache" von Aljoscha Blau


Mein Kollege und Freund Aljoscha Blau, ein großartiger Illustrator, Künstler und Kunstvermittler, hat dem "Multitalent Gouache" ein ganzes Buch gewidmet. Auf 184 Seiten mit 220 farbigen Abbildungen erklärt Blau fantasievoll, kleinschrittig und anschaulich, wie dieses vielseitige Medium eingesetzt werden kann. Wer also mehr über das "Multitalent Gouache" erfahren möchte, wird hier fündig. Unbedingt empfehlenswert!

Darüber hinaus bietet Blau auch Malworkshops und Online-Tutorials an, etwa bei Domestika. Wer also noch einen kleinen Schubs braucht ...



Gouache-Illustration von Aljoscha Blau im Entstehen


7.4. Malika Favre als Inspirationsquelle: weniger ist mehr!


Eine der vielen Inspirationsquellen, die wir uns im Laufe des Malprojekts angeschaut haben, waren die stark reduzierten, digital erstellten Tierbilder der französischen Grafikerin und Illustratorin Malik Favre. Ihre Homepage stand u. a. Somaya (Pfau) und Mara (Papagei) Pate, und auch bei anderen Malprojekten kann ein Blick auf ihre Bilder eine Hilfe sein, vor allem was Farbenklang und Komposition angeht. Zu Favres "Birds of Paradise" geht es hier lang.


Malika Favres "Birds of Paradise"; um Vergrößern bitte draufklicken und scrollen



7.5. Leseförderung frei Haus: Bücherkiste als Leihgabe


Wo gibt es denn so was? Die Verlage Bajazzo, Peter Hammer und Moritz haben sich des Themas Leseförderung angenommen und eine Bücherkiste zum Ausleihen zusammengestellt, deren Titel im besonderen Maße Sprachkompetenz fördern. Unter den Büchern in dieser kostenlosen Ausleihkiste befindet sich eben auch "Ach, hätt' ich doch ..."! Wenn das keine glückliche Fügung ist!

In der Begleitbroschüre heißt es: "Das Interesse von Buchhändlern, Bibliothekaren und Multiplikatoren in Sprach- und Leseförderung an unserem Flyer ist so groß, dass wir das Angebot um eine Bücherkiste erweitern, die wir bei Interesse gerne ausleihen. Die Bücherkiste können Sie dann beispielsweise für Ihre Vorträge in Kindergärten und Schulen benutzen, bei Fortbildungen vorstellen oder in Kindergruppen einsetzen."


Fakten zur Bücherkiste:


Sie enthält alle 23 Bilderbücher, die im Flyer vorgestellt werden (Liste im Link unten)

Darüber hinaus stellen wir kostenlos zur Verfügung:

  • Sprachförderungsflyer (in beliebiger Menge)

  • Streifenplakate mit dem Katze-Maus-Motiv in DIN A2 lang (darauf Platz für einen Veranstaltungshinweis im Format DIN A4)

Wir leihen Ihnen die Kiste für ca. 4-6 Wochen aus.

Außer für den Rücktransport der Bücher entstehen Ihnen keine Kosten!


Alle weiteren Infos dazu können dem Infoblatt des Verlags entnommen werden, s. Link.



7.6. Schriftensammlung auf www.fontmeme.com


Wo findet man eine zu Projekt passende Schrift? Auf www.fontmeme.com zum Beispiel! Diese Seite hat unzählige kostenfreie Schriften im Angebot, die sich in Größe, Farbe, Ausrichtung u. a. individuell anpassen lassen. Anschließend kann man dann seinen gesamten Text als JPG - mit einem durchsichtigen Hintergrund! - herunterladen und einfach über sein Bild legen. Fertig!

Wenn man auf die Fontmeme-Seite geht und rechts oben auf "Collection" klickt (s. Screenshot unten), gelangt man zu einer riesigen Schriftenauswahl, die in der rechten, grau unterlegten Spalte zusätzlich in Kategorien unterteilt ist ("Sans" für Sans Serif, also serifenlos; "Scrip" für Schreibschriften, "decorative", "graffiti", "brush" u. v. m.). Wer hier nicht fündig ist, dem ist wirklich nicht zu helfen!


Screenshot von www.fontmeme.com


7.7. Bilderbuch als Leporello: Wie geht das?

 

Wenn man mit der Klasse ein Illustrationsprojekt macht, möchte man am Ende ein fertiges Produkt in den Händen halten: also ein Bilderbuch. Doch wie soll man es anstellen, wenn man kein Verleger ist und auch ein CEWE-Fotobuch zu teuer ist? Hier kann ein Leporello Abhilfe schaffen: Einfach im Copyshop um die Ecke die gescannten bzw. fotografierten Seiten schwarz-weiß oder farbig ausdrucken lassen - was ggf. auch im Kleinformat reizvoll aussehen kann, beispielsweise DinA6, sodass man auf eine DinA4-Kopie zwei Buch-Doppelseiten kriegt. Dann montiert man die Seiten zu einem Leporello, also eine Art Papierharmonika - und schon hat jeder Schüler ein bleibendes Erinnerungsstück an ein gemeinsames Buchprojekt. Wie man ein Leporello anfertigt, erfährt man zum Beispiel in diesem reich bebildrten Leporello-Tutorial - oder im DIY-Video der Kunstlehrerin und YouTuberin Frau Schrimpf:



Danke dem gesamten Kunst-WPK des 10. Jahrgangs fürs Mitmachen! Es war ein tolles Arbeitsklima und ein sinnliches Mal-Erlebnis! Unten eine Nahaufnahme aus Saras Himmel als Beweis.




132 Ansichten2 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

2 Comments


Danke für den Artikel und auch die links!


Der Adler in Kombination mit der Schrifttype und Mut ist definitiv befremdlich und bietet Diskussionsinhalt für ein Gespräch mit der Schülerin.

Like
Replying to

Die Familie der Schülerin stammt aus Asien. Ich denke, es war eher die Faszination von der fremdartigen, für sie urdeutschen Schrift - Fraktur -, die in der von Weserrenaissance stark geprägten Gegend um Stadthagen herum auf vielen Fachwerkhäusern u. a. zu sehen ist und auf die Schülerin exotisch wirkt. Ich würde mir da keine Sorgen machen ;-)

Like
bottom of page