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Von Spam zu Glam: Und wenn es doch wahr wäre?

Aktualisiert: 1. Feb. 2023


Wir alle haben sie schon mal bekommen: Spams. Was wurde uns darin nicht alles schon versprochen! Ein einsamer, extrem sensibler Single hat sich in dein Profilbild verliebt: Ruf an, ruf an! Eine steinreiche Witwe hat dir ihr gesamtes Vermögen hinterlassen: Klick' schnell auf diesen Link! Überweise den symbolischen Betrag von 100 Euro auf dieses Konto, und schon gehört das neue iPhone dir ...

Natürlich weißt du, dass es Spams sind und dass Spams lügen, also löschst du sie ungelesen. Schade eigentlich, denn manche von ihnen sind extrem unterhaltsam, voller skurriler Details und unfreiwilliger Komik. Warum also das Spiel nicht einmal mitspielen? Stell' dir vor, was passieren würde, wenn das Versprechen eines Spams tatsächlich in Erfüllung gehen würde. Was, wenn du tatsächlich der letzte lebende Verwandte des Königs von Abu Dhabi wärest? Wenn im Café nebenan tatsächlich dein Traumpartner auf dich wartete? Und wenn dein Haus, dein Auto, dein Boot nur einen Klick entfernt wären?



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Jolina L., 10a; Details, Bild, Spam, Studien (zum Durchklicken)


Je dreister die Lüge, je großspuriger das Spam-Versprechen, desto witziger das Kopfkino, das dadurch in Gang gesetzt wird. Von Spam zu Glam: Zwei zehnte Klassen haben sich dem Selbstversuch unterzogen und ihre Junkmail-Ordner nach besonders abstrusen Spams durchsucht. Wer nicht fündig wurde, durfte seine Freunde und Familie befragen oder auch Junkmail-Sammlungen im Internet durchforsten, wobei den persönlich empfangenen Spams der Vorrang gebührte. Schließlich versprachen sie bei aller ihrer Anonymität und Beliebigkeit den stärksten persönlichen Bezug. Nach dem Prinzip "Nichts in diesem Universum passiert zufällig" musste es wohl Schicksal sein, wenn ein bestimmter Spam auf einen bestimmten Empfänger traf: "BED€UTEND NACHRIHT - BITTE GLECIH ZU LE$EN DIES, MEINE GESCHAZTER FREUND!!!!!!!"


YOU'D PERFECT TO WEAR OUR SUSTAINABLE JEWELLERY!

BUT PLEASE BE QUICK, THERE'S ONLY 5 SPACES LEFT!

Emilia S., 10a; Details, Bild, Spam, Studien (zum Durchklicken); unten: Studie von Stella L., 10c



Inhaltsverzeichnis



 

1. Bild des Menschen: die Grundlagen


Parallel zur häuslichen Spam-Recherche (selten hatte eine Hausaufgabe für so viele Lacher gesorgt!) befassten wir uns im Unterricht mit theoretischen und handwerklichen Grundlagen des anatomischen Zeichnens. Um organische Formen plastisch darstellen zu können, übten Schüler elliptisches Schraffieren: zunächst am Beispiel eines Zylinders, später anhand einer standardisierten menschlichen Figur. Dazu wurden die seit der Antike geltenden Anatomieregeln im Plenum besprochen und mit Hilfe eines Arbeitsblattes gesichert (s. Link).


Menschliche Figur zeichnen und elliptisch schraffieren in vier Übungen: Jessica S., Emilia S., Emily M. und Emilia S. (10a)


20-Minuten-Studie von Stella L., 10c

In einer weiteren Doppelstunde standen sich Schüler gegenseitig Modell. Spätestens jetzt gerieten sie ordentlich ins Schwitzen: Nicht nur erforderte das gegenseitige Zeichnen anatomische Grundkenntnisse sowie räumliches Vorstellungsvermögen, sondern es musste auch noch schnell gehen. Keine der Positionen konnte länger als 20 Minuten gehalten werden, die meisten fielen sogar deutlich kürzer aus. Während sich die 10c im Schöner Liegen übte (unten), wurde in der 10a vor allem stillgestanden. Die Ergebnisse fielen - wie immer im Fach Kunst - recht heterogen aus, je nach Vorerfahrungen. Gleichzeitig waren flächendeckend Fortschritte erkennbar: Von Position zur Position hatte sich jeder Schüler gesteigert und an Sicherheit und Geschwindigkeit zugelegt. Auch ich durfte abwechselnd Modell stehen (oben) und mitzeichnen. Herrlich - wie oft kam man schon als Lehrer neben all dem Unterrichten und Verwalten noch zum praktischen Arbeiten?




Das Zeichnen nach Modell sollte übrigens für meine zwei zehnten Klassen zum Scheidepunkt werden. Von da an trennten sich ihre Wege: Während sich die 10a für eine Spam-Umsetzung mit Finelinern entschied, wollte de 10c lieber malen. Es sprach aus meiner Sicht nichts dagegen, im Gegenteil, so bot sich uns die Chance, das narrative Potenzial von Grafik und Malerei am gleichen Thema zu erproben. Als Malmedium wählte die 10c Gouache: eine im Bereich der Illustration besonders beliebte, weil leicht kontrollierbare und im Zweifel übermalbare Farbe. Darüber hinaus korrespondierte ihre plakative Wirkung hervorragend mit den reißerischen Parolen der Spams. Außerdem stellte Gouache eine willkommene Abwechselung zur Wasserfarbe dar, derer die Schüler scheinbar überdrüssig waren.


Team Gouache gegen Team Fineliner also. Rückblickend betrachtet hatten beide Klassen das Thema Spam witzig, originell und materialgerecht umgesetzt. Doch im Folgenden habe ich den Fokus auf die Fineliner-Serie gelegt: Einerseits, weil dieses Medium auch für mich Neuland war. Andererseits wollte ich vermeiden, dass die zurückhaltenden, filigran gezeichneten Grafiken in unmittelbarer Nähe mit den farbenfrohen, raumgreifenden Gemälden untergehen. Um den letzteren dennoch zu würdigen, habe ich ein paar besonders gut gelungene Gouache-Bilder am Ende dieses Beitrages unkommentiert zu einer Galerie zusammengestellt. So konkurrieren die beiden Medien nicht miteinander, sondern ergänzen sich, um Spam-Träume endlich wahr werden zu lassen - in 3d und in Farbe.



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Jessica S., 10a; Details, Bild, Spam, Studien (zum Durchklicken)


 

2. Von Spam zu Glam: das Konzept


Vom Zylinder über Anatomiestudien bis hin zum Zeichnen nach einem lebenden Modell: Bis hierhin hatten wir das Thema Anatomie sehr klassisch, beinah akademisch angegangen. Ganz im Sinne der curricularen Vorgaben für den 10. Jahrgang fertigten die Jugendlichen "Studien zur Gestalt des Menschen unter Berücksichtigung der Proportionen" an (vgl. Kerncurriculum (2016), S. 23). Auch später blieben wir dem Thema "Bild des Menschen" treu. Allerdings mündeten unsere Anatomiestudien nicht wie üblich in (Selbst-)Portraits oder naturalistischen Figurenzeichnungen. Stattdessen verließen wir nun die eingetretenen Pfade des schulischen Themenkanons und begaben uns auf Abwege: Zwei Wochen lang wühlten sich die Schüler durch Phishing-Mails und Spams durch, bis sie sich auf ein besonders schillerndes Exemplar festlegten und ihm dann ein künstlerisches Denkmal setzten - freihändig gezeichnet und gemäß den Anatomie- und Proportionsregeln, versteht sich: Gelernt ist gelernt.


Oben: Jolina L., 10a, Schraffurübungen; unten: Stella L., 10c, Mindmap


I AM AKINYI, THE PRINCESS OF KENYA. I AM IN NAIROBI CENTRAL JAIL. I WOULD LIKE TO KNOW MORE ABOUT YOUR COUNTRY AND HOBBIES.

Silvan B., 10a; Details, Bild, Spam, Studien (zum Durchklicken)


Zur Vorbereitung der freihändig gezeichneten Kompositionen wurden Mindmaps, Moodboards und eigene Fotovorlagen angefertigt, auf denen verschiedene Posen, Kostüme, Schminke, Licht- und Raumsettings ausprobiert werden konnten. Mit einem ironischen Augenzwinkern inszenierten sich die meisten Jugendlichen auf ihren Bildern selbst, wobei die Ähnlichkeit kein Muss war. Dafür durften ihre Stellvertreter etwas ausleben, was sich eigentlich nicht gehörte: Prahlen, schmeicheln, auf die Tränendrüse drücken, drohen, flunkern und vor allem: lügen, lügen, lügen!


I AM DR. BAKARA TUNDE, THE COUSIN OF NIGERIAN ASTRONAUT, AIR FORCE MAJOR ABACHA TUNDE. HE WAS THE FIRST AFRICAN IN SPACE.

Lukas A. H., 10 a: Details, Gesamtansicht, Spam (zum Durchklicken)


Diese alternativen Selbstportraits schufen alternative Fakten; doch hier und da bröckelte die Fassade und die dreiste Spam-Lüge schimmerte bewusst durch. So sehen die vermeintlichen Geldgewinn-Überbringer von Jolina L. (ganz oben) mit ihren zerknitterten Kleidern und Taschen voller Geldscheine wie zwei abgehalfterte Trickbetrüger aus. Auf dem Bild von Emilia S. schiebt sich wie zufällig ein Scheinwerfer ins Bild, wodurch die pompöse Schmuckvorführung plötzlich wie Laientheater wirkt. Während der Muskelprotz von Nico Martin R. (weiter unten) so tut, als würde er eine schwere Hantel auf einem Finger balancieren, wird sie von oben sichtlich durch zwei dicke Seile abgesichert; auch die idyllische Berglandschaft hinter dem Bodybuilder entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als bloßer Holzaufsteller. Und schließlich evozieren die vielen Spinnweben, Wandrisse und unheilvollen Bildmotive im Atelier von Ana-Maria V. (oben) eher ein Geisterschloss als ein großzügiges Atelierstipendium, wie es im dazugehörigen Spam vollmundig versprochen wird. Die Botschaft zwischen den Zeilen ist bei allen diesen Bildern überdeutlich: Dem schönen Schein ist nicht zu trauen.


WIR SPENDEN € 1.500.000,00 UM ZEHN ENGAGIEREN KÜNSTLERN ZU HELFEN IHR BUSINESS AUFZUBAUEN, WEIL WIR KUNST SEHR SCHÄTZEN.

Ana-Maria V., 10 a: Detail, Gesamtansicht, Spam, Vorstudien (zum Durchklicken)


Und was empfehlen die Schüler? Materialauswertung

"Für meine Arbeit habe ich verschiedene Marker benutzt, darunter die Stadtler Pigment Liner, die STA Pigment Liner und die MONO Drawingpens von Tombow, welche ich alle empfehlen kann. Dabei habe ich zwischen den Größen 0.05 bis hin zu 0.8 mm je nach Bedarf gewechselt. Selbstverständlich braucht man nicht zwingend duzende Größen, für mein Bild hätte ein Fineliner für die Details und ein breiterer Filzstift für die größeren Flächen gereicht. Jedoch wollte ich einfach für mich persönlich mehr Auswahlmöglichkeiten haben und auch für den Fall, dass ein Stift leer wird, Reserve haben. Für die rote Fläche hatte ich erst an Alkoholmarker gedacht, mich dann aber doch für einen feineren Pinselstift von Tombow ABT entschieden, da ich die Befürchtung hatte, dass die Alkoholmarker auslaufen und über meine markierte Fläche hinausmalen könnten. Dadurch, dass der Tombow Stift zwei Spitzen in unterschiedlichen Größen hat, war es mir möglich, sehr fein und detailliert zu arbeiten, was mir mit den Alkoholmarkern nicht so gut gelungen wäre." Ana-Maria V., 10a


 

3. Von Spam zu Glam: der Arbeitsauftrag

Wer sich selbst an dieser Aufgabe versuchen möchte oder sie mit seinen Schülern durchspielen will: Hier ist der Arbeitsauftrag.


Lilly S. (Detail) und Sarah S., 10a

Spam: Begriffsklärung

Zuerst die große Frage: Was ist Spam?

„Als Spam (englisch für Müll) werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene massenhafte Nachrichten bezeichnet, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden, ihn oft belästigen und auch häufig werbenden Inhalt enthalten“, so Wikipedia.

Meist werden Spams gelöscht, bevor man sie überhaupt gelesen hat. Schade eigentlich, denn manchmal sind sie extrem witzig oder voller unrealistischer Versprechen. Doch was wäre, wenn diese Versprechen tatsächlich in Erfüllung gehen würden? Wenn du tatsächlich der letzte Erbe des Prinzen von Abu Dhabi wärest? Oder wenn deine Traumfrau tatsächlich auf deinen Rückruf wartet? Spiele doch den Gedanken mal durch!

Arbeitsauftrag

Gestalte ein Portrait in Din A3, das dich in voller Körpergröße und formatfüllend darstellt, nachdem das Versprechen deines Lieblingsspams in Erfüllung gegangen ist! Sowohl deine Mimik als auch deine Gestik, deine Kleidung, der Hintergrund und die Farben sollen dem festlichen Anlass entsprechen.

Einzelne Schritte
1. Suche nach einem Spam, der so absurd ist, dass er deine Fantasie anregt (bitte keine anstößigen Inhalte!) Dazu kannst du deinen Junkmail-Ordner oder das Internet durchforsten. Vielleicht haben auch Freunde, Bekannte oder Familienangehörige einen passenden Spam auf Lager.
2. Erstelle eine Mindmap zu den Versprechen deines Spams; überlege, wie du sie visuell umsetzen könntest.
3. Zeichne dazu eine Skizze; dabei kannst du auf Foto- und Schriftvorlagen zurückgreifen und Fragmente deines Spams als Schriftzüge in dein Bild integrieren.
4. Je nach Thema können darauf eine oder mehrere Figuren zu sehen sein. Eine davon (vorzugsweise du ;-) sollte dabei formatfüllend und in Ganzkörperdarstellung abgebildet werden. Achte auf die korrekte Anatomie und auf perspektivische Verkürzungen!
5. Übertrage deine Vorzeichnung auf das große Papierformat.
6. Schraffiere dein Bild mit einem schwarzen Fineliner; orientiere dich dabei an den Radierungen von Albrecht Dürer und anderen im Unterricht behandelten Grafikern.
7. Setze mit einem roten (Aqua-)Marker Akzente, um den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Gestalte rote Flächen nicht zu klein: Insgesamt sollte sie etwa 1/10 der Gesamtbildfläche einnehmen, um gut sichtbar zu bleiben.
8. Humor und Selbstironie sind bei dieser Aufgabe mehr denn je willkommen.

Viel Spaß!

Arbeitsauftrag_VonSpamZuGlam_ARTSetc
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Stella L., 10c (Studien, am iPad erstellt)


 

4. Alles eine Frage der Technik


Das Material, mit dem die Spam-Bilder realisiert werden sollten, stand also fest: Um Hell-Dunkel-Kontraste zu maximieren und die Fernwirkung der Bilder zu erhöhen, wollte die 10a auf Fineliner setzen (vgl. 1). Nichts einfacher als das, dachte ich zumindest: Fineliner und DinA3-Blöcke hatte schließlich jeder. Doch so einfach war es dann am Ende doch nicht: Zum einen war das Papier der Schulblöcke so dünn und faserig, dass Filzstifte darauf "ausbluteten" und ihre Linie nicht nur ungleichmäßig ausfiel, sondern auch noch durch mehrere Blätter hindurchschlug. Zum anderen hatten viele Schüler entweder gar keine Fineliner, oder sie waren völlig abgenutzt, ausgefranst und vertrocknet.


DANIEL MAEGERT WAR EIN GANZ NORMALER STUDENT, DER AN EINER TANKSTELLE ARBEITETE ... UND ER HAT EIN VERMÖGEN GEMACHT ...

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Es half alles nichts: Neue Fineliner mussten her, am besten gleich zwei-drei von derselben Sorte. Schließlich war Schwarz nicht gleich Schwarz, und das Bild sollte nicht mittendrin den Ton wechseln, nur weil ein Stift verbraucht war und der nächste blaustichig ausfiel. Zusätzlich hatten sich einige Schüler ein paar dicke schwarze Filzstifte zugelegt, um große Bildflächen schneller auszufüllen. Außerdem benötigten sie für den geplanten roten Faden der Reihe einen oder, noch besser, mehrere rote Marker (s. o.).

Bei den roten Markern zeigte sich allerdings, dass sie sich schlecht verblenden ließen: Dort, wo sich die roten Flächen überlappten, bildeten sich unschöne dunkle Ränder. Die Filzstift-Expertinnen in unserer Runde empfahlen uns daraufhin Aquamarker, etwa von Tombow. Mit diesen Stiften konnte man so homogene rote Flächen erzeugen, dass sie wie Computergrafiken aussahen. Faszinierend, wozu das analoge Material heutzutage fähig war!



Schwarze Fineliner in verschiedenen Stärken, z. B. von Akarued (@amazon); ein dünner und ein dicker Stift reichen allerdings vollkommen aus.


Während die Stifte von den Schülern in Eigenregie beschafft werden mussten, übernahm ich die Papierbestellung im Klassensatz. Auf diese Weise konnten alle auf demselben hochwertigen Zeichenkarton arbeiten, mit derselben Oberflächenbeschaffenheit, im gleichen Weißton und auf demselben Format. Bristol-Papier eignete sich für solche grafischen Arbeiten eigentlich am besten. Doch weil es vergleichsweise teuer war, empfahl mir der Verkäufer im Fachhandel das 160 g/qm schwere, DinA3-große Druckerpapier von Clairefontaine (Paket à 250 Blatt für ca. 18 Euro, also 7 Cent pro Blatt). Tatsächlich ließ sich im Folgenden sehr gut darauf arbeiten, sodass ich es wärmstens weiterempfehlen kann.


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Nico Martin R., 10a; Details, Bild, Spam, Studien (zum Durchklicken)


Neben der Frage nach dem geeigneten Material stellte sich die Frage nach der passenden Schraffur-Art. Schließlich gab es unzählige Möglichkeiten, einen Gegenstand plastisch zu schraffieren! Als erstes führte ich den sogenannten Formstrich ein: eine Technik, bei der die Linien der Ausrichtung der schattierten Fläche folgten. Dazu sahen wir uns ein Videotutorial von Frau Schimpf an (s. 7.4.), in welchem sie zeigte, wie man einen Würfel, eine Kugel oder auch einen Knoten plastisch darstellen konnte. Anschließend teilte ich das entsprechende Arbeitsblatt von Frau Schimpf aus (sehr praktisch!) und ließ die Klasse am Beispiel des Schimpfschen Knotens den Formstrich üben. Wer sich danach fit genug fühlte, konnte im Anschluss seinen eigenen Knoten entwerfen und schraffieren.


Der Schimpfsche Knoten (links) und der Knoten 2.0. von Jolina L., 10a


Diese Übung half den Schülern bei allen organischen Formen weiter. Doch da es bei ihren Bildern nicht nur glatte Zylinder gab, blieb es nicht beim Formstrich. Um Hintergründe und Oberflächen möglichst variationsreich zu gestalten, ließen wir uns von altmeisterlichen Holzschnitten, Radierungen und Zeichnungen, aber auch von zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Illustrationen auf Pinterest & Co inspirieren. Diese Beispiele machten deutlich, wozu der gute alte Strich alles fähig war - ganz ohne Graustufen, Verblenden und Verwischen. Adieu, Weichzeichner, bonjour, klare Kante! Weitere Tipps und Links zum linearen Schraffieren findet man unter 7.4. bis 7.7..



FOR OVER A MONTH NOW THAT I HAVE BEEN PRAYING TO KNOW IF REALLY YOU ARE WORKING ACCORDING TO THE DIRECTION OF GOD.

Lana S., 10a: Bild, Details, Spam (zum Durchklicken)


 

5. For Teachers Only: Spickzettel Unterrichtsplanung


Die Unterrichtsreihe, wie ich sie durchgeführt und für gut befunden habe. Selbstverständlich kann sie gekürzt, ergänzt, variiert und vor allem optimiert werden!


Von Spam zu Glam:

Unterrichtsreihe in Doppelstunden

1. DS.: Einführung in das Thema "Von Spam zu Glam": erste Spam-Recherche am iPad (-> Hausaufgabe: finale Spam-Suche), Zielsetzung; Materialkunde (Papier, Fineliner, Marker ...)

2. DS: Schraffieren: Einführung in das räumliche Zeichnen am Beispiel eines Zylinders (s. oben): Einteilung in Ellipsen

3. DS: Formstrich: Einführung; zeitgenössische Fineliner-Bildbeispiele sowie klassische Grafiken von Rembrandt, Dürer u. a. (30 min); exemplarisches Schraffieren eines Zylinders als Stellvertreter für Körperglieder (elliptische Schraffur mit Fineliner; 60 min)

4. DS: Schraffieren eines Knotens (s. Arbeitsblatt von Frau Schimpf, 7.4.); optional: Gestalten und Schraffieren eines eigenen Knotens

5.-6. DS: Menschliche Anatomie: Vorher-Nachher-Effekt (s. Bild unten): Zeichnen einer menschlichen Figur aus dem Stand, ohne Vorkenntnisse (20 min); Erläutern von Anatomieregeln im Plenum (Arbeitsblatt zur menschlichen Anatomie, s. 7.3.; 25 min) -> Zeichnen und Schraffieren einer DinA4-großen Figur nach den aufgestellten Proportionsregeln (45-60 min); Auswerten der Vorher-Nachher-Ergebnisse an der Tafel (20 min)

7. DS: Zeichnen nach Modell: Schüler stehen sich gegenseitig Modell in 5-20-minütigen Sitzungen; verschiedene Formate und Materialien (Bleistift, Kugelschreiber, Kohle, ...); Nachbesprechung der Ergebnisse

8.-9. DS: Vorskizzen und Schraffurübungen fürs finale "Von Spam zu Glam"-Bild; experimentelles Anordnen roter Flächen auf Fotokopien (analog) oder auf dem Foto der eigenen Vorskizze (iPad), um die Blickführung zu optimieren; Übertragen der Vorskizze auf ein DinA3-Blatt (Bleistift)

10.-15. DS: Ausarbeiten des Bildes mit Fineliner und roten Markern: variations- und kontrastreiches Schraffieren des finalen Bildes

16. DS: Fertigstellung und Abgabe des finalen Bildes "Von Spam zu Glam" (analog); Ablegen von Mindmaps, Vorskizzen, Original-Spam u. a. im Aufgabenmodul (digital)

Oben: Amélie G., 10a (Detail); unten: der Vorher-Nachher-Effekt: vor und nach der Einführung in die Proportionslehre (linke versus rechte Tafelseite)


 

6. Bonus: "Von Spam zu Glam" in Gouache


Wie bereits angemerkt, hatte sich die 10c für eine Umsetzung in Gouache entschieden (s. Kapitel 1); hier ist The Best Of aus dieser Reihe.


PRESENTLY WE ARE IN COTE D'IVOIRE AND THE PRESIDENT IS IN HIDING HERE. HE ASKED ME TO SEEK YOUR ASSISTANCE TO HELP US MOVE SOME MONEY ABROAD.

Armina E., 10c: Bild, Details, Spam, Entwürfe (zum Durchklicken)


ICH SCHMEIßE EINE RIESIGE DINNER-PARTY FÜR DIE MITGLIEDER DES BITCOIN CODES ... DENN WIE WIR ALLE WISSEN IST ES EIN BISSCHEN EINSAM AN DER SPITZE.

Stella L., 10c: Bild, Spam, Entwurf, Details (zum Durchklicken)



MEHR VON ALLEM! SCHLAFEN, HAARE, ZEUGS! JETZT!

"Von Spam zu Glame"-Projekte von Vivian U., Sally B. und Enie Joy B., 10c


 

7. Nützliche Links


7.1. Spam-Sammlungen im Netz



... und auf Deutsch (gesondert verlinkt, bitte anklicken):


7.2. Was, wenn du auf eine Spam antwortest? Zwei mögliche Szenarien


Der englische Komiker James Veitch treibt einen Spam-Verfasser in den Wahnsinn - urkomisch!


Ebenso höchst unterhaltsam: Briefwechsel von Tanmay Chandak und "Prinzessin Akinyi" (rechts). Die vollständige Korrespondenz unter diesem Link.



7.3. Menschen zeichnen: Anatomie-Anleitungen


Sowohl in der Fachliteratur als auch im Netz wimmelt es nur so vor Zeichenanleitungen zur menschlichen Figur: angefangen mit der griechischen Antike über den vitruvianischen Mensch von Leonardo da Vinci bis hin zu unzähligen YouTube-Tutorials. "Arnold erklärt" zeigt zum Beispiel in seinem Video "Menschen zeichnen", wie man eine Figur anatomisch korrekt aufbaut. Sehr empfehlenswert ist auch die Seite von Martina Goerke www.malen-malerei.de. In ihrem Beitrag "Menschen zeichnen - Proportionsregeln" hat die Autorin alles Wesentliche dazu in Schrift und Bild zusammengetragen (Abbildung links; Beitrag s. Link).





7.4. Formstrich: plastisches Schraffieren


Sehr zu empfehlen sind Videotutorials von Frau Schimpf - und nein, es ist kein Pseudonym, Melanie Schimpf gibt es tatsächlich. Die Darmstädter Mediendesignerin, Künstlerin und Kunstlehrerin hat während des Lockdowns einen eigenen YouTube-Kanal zur Kunstvermittlung gegründet, der inzwischen in Schüler- und Lehrerkreisen Kultstatus hat. Systematisch und anschaulich zeigt dort Frau Schimpf anhand kleiner Übungen, wie man auf einem zweidimensionalen Träger eine Welt in 3D erschaffen kann. Dazu hat Frau Schimpf für beinah alle ihre Videos extrem hilfreiche und dazu noch kostenfreie Arbeitsblätter hochgeladen. Absolut empfehlenswert!


Schöner knoten: oben mit M. C. Escher (Drache, Holzschnitt, 1952), unten mit Frau Schimpf



7.5. Schraffur-Techniken: alt gegen neu


Altmeisterliche Druckgrafiken von Albrecht Dürer oder Rembrandt eignen sich bestens als Einstieg in die Kunst der Schraffur. Im Netz findet man viele hochaufgelöste Werke, die in Nahansicht beinah abstrakt wirken, als Ganzes dagegen eine naturalistische, plastische Wirkung entfalten. Als Pendant dazu findet man bei Pinterest & Co zahlreiche zeitgenössische (Druck-)Grafiken und Schraffurbeispiele, auf denen die Linie mal verspielt, mal streng, mal ornamental, mal manieriert eingesetzt wird. Zusammen mit den Werken Alter Meister ergibt sich daraus ein riesiger Muster-Fundus für eigene Projekte.


Oben: Jost Ammans: Der Formschneider, 1568; unten: Hendrik Goltzius: St. Peter, 1589

Petrus versus Pinterest (unten): von den faszinierenden Trompe-l'oeil-Grafiken von Visoth Kakvai über Illustrationen von Chris Riddell bis hin zu Schraffur-Beispielen und -Mustern auf istock.de: auf Pinterest findet sich alles, was das Auge begehrt: nach einmaliger Anmeldung kostenfrei, von überall und für alle verfügbar.


7.6. Zeichen- und Schraffur-Tutorial von Martin Mißfeldt


Ebenfalls sehr empfehlenswert: das Schraffur-Tutorial von Martin Mißfeldt . Der "Künstler, Maler und Zeichner (aktuell auch Lehrer)" aus Berlin erklärt in seinem Zeichentutorial Schritt für Schritt und anhand eigener zeichnerischer Interpretationen Alter Meister, wie plastisches Schraffieren funktioniert. Unbedingt anschauen!


Martin Mißfeldt: Schraffur nach dem Kupferstich "Erasmus von Rotterdam" von Albrecht Dürer



7.7. Gerald Himmelein und Pit Hammann, zwei zeitgenössische Meister der Schraffur


Meisterhaft schraffiert und thematisch up to date sind die freihändig am Tablet gezeichneten Portraits des Wahl-Hannoveraners Gerald Himmelein. Von Mark Zuckerberg über Nicolas Cage bis hin zu Vladimir Putin: Himmelein hat sich auf "Personen öffentlichen Interesses" spezialisiert. Auch der Virtuose der Karikatur Pit Hammann (Frankfurt am Main) zeichnet vorzugsweise Promis, und zwar mit nichts als einem blauen Kuli - einem Material, das, wie wir alle wissen, keine Fehler verzeiht. Beeindruckend!




 

8. Und jetzt kommst du: Starte dein eigenes Spam-Projekt!


Als Inspiration habe ich für dich einen besonders romantischen Spam herausgesucht. Nadya "ist schon mude von Verlassenheit" und hofft auf "wahre Liebesbeziehungen." Vielleicht kannst du ihr helfen?

Nein? Du bist nicht interessiert? Schon vergeben? Oder gar eine Frau? Macht nichts! Auch ich, weiblich, gebürtig aus Moskau, kriege immer wieder Post von "heißen Russinnen", die sehnsüchtig auf mich warten. Vermutlich sitzen sie um einen heißen Samowar (daher ihre erhöhte Körpertemperatur) und erinnern sich tränenüberströmt an unsere gemeinsame Kindheit (deswegen diese Gruppen-Sehnsucht). Ich kann meine Landsfrauen gut verstehen. Wie gern wäre ich jetzt bei ihnen! Ein Schelm, der da an Love Scamming denkt! Und nun kommst du - und deine Nadya:



Schriftzug von Finn Marten R., 10a




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